Display | pinacoteca, Wien| 8.1.15 | 19h
eingeladen von Claudia C. Linder und Susanne Richter


Display ist eine Vorrichtung zur optischen Signalisierung von veränderlichen Informationen, Zuständen und Werten, insbesondere von Messwerten und ist zu unterscheiden von Kennzeichen, welche gleichbleibende Informationen darbieten.
Im Arbeitssystem stellt das Display eine Schnittstelle dar zwischen dem Menschen und einem technischen Prozess oder der Umwelt.

Michael Parts (1979) Arbeit (o.T., 2014) zeigt das Display als Vorrichtung und Werkzeug, welches eine zentrale Stellung in seinen jüngsten Arbeiten einnimmt. Ein Aluminium Rahmen, der Glas hält, und Glas, das als Träger von Fotoemulsion dient, welche belichtet, entwickelt, fixiert wird usw. Die Arbeit in der Ausstellung Display zeigt das Glas ohne Fotoemulsion, als pure Möglichkeit, als Disposition für veränderliche Werte.

Fragmente einer Versuchsanordnung und Ausschnitte sind die technisch exakten Arbeiten von Christian Otto (1979). Zugrundeliegend sind variable Systeme. Vergleichbar einer mathematischen Ableitung, werden verschiedene Ausformungen einer Regel durchgespielt und sind als Malerei zugleich ihre eigene Information, als auch als Abbild von Rhythmus von einer nahezu musikalischen Qualität.

Die Musikalität des Film Twelve Tales Told von Johann Lurf (1982) entsteht mittels Cut-up. Die animierten Firmenlogos der größten Hollywoodstudios sind im Viertelsekundentakt ineinander montiert und verweben Ikonographie und die Produktionswerte Hollywoods zu einer digitalen Marke. In Verbindung mit der musikalischen Aggressivität manifestiert sich die visuelle Allmacht der Konzerne, eine einzige, homogenisierte Supermarke, die HOLLYWOOD! donnert.

In Mouvement de Lumière | Motion of Light (2004) untersucht Karl Lemieux (1980) die Beziehung von Sound und Bild direkt. Die Musik diktiert den Rhythmus bzw. sie formt die Wahrnehmung des Rhythmus der Bildfolge. Genauso bestimmt das Bild die Wahrnehmung seines eigenen Soundtracks. Im animierten Kurzfilm ist das Filmmaterial mit den bloßen Händen bemalt und wird von einem Soundtrack von Noise Musik begleitet, die durch die direkte Bearbeitung des Filmmaterials entsteht.

In Ayumi Rahns (1980) Soundarbeiten Zu lange Nacht und Tafelspitz ist es das gesprochene Wort, das sich verschränkt und in veränderter Bedeutung wieder auftaucht, sich wiederfindet und sich einen eigenen Sound jenseits des geschrieben Wortes schafft. Der Text Zu lange Nacht bewegt sich zwischen Selbstgespräch und direkter Anrede, ist adressiert an einen Empfänger und kreist doch in Wortspielen und Gedankensprüngen um sich selbst. Die Zeichnung aus der Serie b_b ist Standbild eines beweglichen Zustand. Verwobenes Haar, glänzender Stein, wabernde Emulsion, in einem amorphen Gebilde verzerrt, das in jeder Sekunde ein anderes ist.

An den Übergangszonen zwischen gezeichneter Linie und realer räumlicher Umgebung bewegt sich Maria Hinzes (1981) Fotoarbeit von 2014 als Dokumentation des Versuches, sich über den eigenen körperlichen Radius Aussenraum anzueignen. Die Arbeit untersucht die Wirkungsmacht von Zeichnung und die Linie in ihrer Materialität und möglichen Mehrdimensionalität.
Thematische Schwerpunkte sind Präsenz und Durchlässigkeit, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit und das Verschwinden.

Gleichsam systemisch verhalten sich Walter Obholzers (1954-2008) Bilder zur Institution Malerei. Ihr Thema ist nicht die Kritik der Wahrnehmung, sondern die Beobachtung des Systems Malerei bei seiner Arbeit an der Kritik der Wahrnehmung (…) dass man seine eigene Beobachtung nur im Kontext eigener Beobachtung verorten kann und sich bei jeder Beobachtung auch mit einer Beobachtung dieser Beobachtung konfrontiert und seine eigenen Beobachtungskriterien in
Frage stellt. ( G. Schöllhammer Hindernisse beim Beobachten- zu Walter Obholzers systemischer Malerei)
„Es handelt sich bei Ihnen um den Versuch, eine Sache zu malen, die eine so hohe Selbstreferentialität und Trägheit entwickelt, dass sich fremde Überlegungen damit anstellen lassen.“
(Zit. Walter Obholzer nach Patricia Grzonka, KNÖDEL, ZÄUNE, KREISE).